Ausgabe Dezember 2025
AUSZUG AUS DEM INHALT:
TITELTHEMA
Patientensicherheit bei Polypharmazie: Umgang mit Wechselwirkungen und Medikationsfehlern bei multimorbiden Patienten
Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente – Polypharmazie – ist für multimorbide, oft ältere Personen fester Bestandteil der Behandlung. Sie ermöglicht eine umfassende Therapie, erhöht aber das Risiko von Wechselwirkungen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Medikationsfehlern. Besonders betroffen sind Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzinsuffizienz, die komplexe Therapien benötigen. Probleme entstehen häufig durch fehlende Medikationspläne, unzureichende Abstimmung zwischen den behandelnden Fachkräften oder kognitive Einschränkungen der zu behandelnden Personen. Pflegekräfte stehen dabei vor der Herausforderung, die Sicherheit trotz dieser Risikofaktoren zu gewährleisten. Dieser Beitrag zeigt, wie gezielte Maßnahmen und interdisziplinäre Zusammenarbeit helfen können, die Risiken der Polypharmazie zu verringern
Einsatz von Robotik in der Pflege – Chancen, Grenzen und ethische Patienten
Roboter in der Pflege – für viele klingt das noch nach ferner Zukunft, für andere nach einer bedrohlichen Vision. Bilder von Maschinen, die Bewohner pflegen, lösen Unsicherheit aus und rufen die Angst hervor, dass der menschliche Aspekt der Betreuung verdrängt wird. Zugleich wächst aber auch die Hoffnung, dass Robotik die Lösung für den Fachkräftemangel sein könnte und Pflegende von körperlich belastenden Tätigkeiten befreit. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Robotik ist längst keine Science-Fiction mehr. Erste Anwendungen sind in Pilotprojekten und teilweise sogar im Alltag von Pflege einrichtungen angekommen. Der Einsatz reicht von einfachen Transportrobotern bis zu komplexen Systemen, die Sprache verstehen, Personen heben oder Vitaldaten überwachen können. Doch welche Chancen eröffnet diese Technik tatsächlich, wo liegen ihre Grenzen und welche ethischen Fragen muss sich die Pflegebranche stellen?
Rechtliches/Gesetzgebung AKTUELL
Neue QPR ambulant ab 2026 im Fokus
Die Qualitätsprüfungen in der ambulanten Pflege stehen vor einem grundlegenden Wandel. Ab dem 01.07.2026 gelten neue Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) für ambulante Pflegedienste, die der Medizinische Dienst Bund am 19.05.2025 erlassen und das Bundesministerium für Gesundheit am 07.08.2025 genehmigt hat. Sie lösen die bisherige Fassung aus dem Jahr 2020 ab und bilden künftig die verbindliche Grundlage für die Prüfungen des Medizinischen Dienstes in allen ambulanten Einrichtungen.
PflegePRAXIS
Teil 3 Schmerzmanagement: Leitlinien in die Praxis bringen – medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen wirksam kombinieren
In vielen Einrichtungen wird Schmerzmanagement zwar als wichtig erkannt, doch in der Praxis bleibt die Umsetzung oft fragmentiert: Medikamente werden gegeben, aber ihre Wirkung selten überprüft; pflegerische Maßnahmen erfolgen unsystematisch oder ohne Rückmeldung an den ärztlichen Dienst. Zwischen Leitlinienempfehlung und Versorgungsrealität klafft so häufig eine Lücke − mit Folgen für Wirksamkeit, Patientenzufriedenheit und Prüfsicherheit. Der vorliegende Artikel zeigt, wie Leitlinienwissen am Patientenbett ankommt: durch eine multimodale Strategie, in der pharmakologische und pflegerische Maßnahmen planvoll zusammenspielen, konsequent evaluiert und verständlich dokumentiert werden. Pflegefachpersonen sind dabei die Drehscheibe für Erfassung, Wirkungskontrolle, Nebenwirkungsmonitoring und Rückmeldung an den ärztlichen Dienst. Führung und Qualitätsmanagement sorgen für Verbindlichkeit, indem sie klare Entscheidungswege, Kurzstandards und Evaluationsroutinen festlegen. So entsteht aus Papierleitlinien eine gelebte Praxis, die Wirksamkeit, Sicherheit und Prüfbarkeit vereint.
Urininkontinenz: Hilfsmittel und sammelnde Inkontinenzhilfen – ein Überblick
Etwa jeder zehnte Mensch leidet an Inkontinenz. Das betrifft insbesondere ältere Menschen, aber auch Schwangere. Die Betroffenen schämen sich oft und sprechen nicht darüber. Wichtig zu wissen ist, dass die Harninkontinenz keine eigenständige Erkrankung ist. Es gibt verschiedene Ursachen für Harninkontinenz, die auch auf Grunderkrankungen zurückzuführen sind. Inkontinenzhilfsmittel und ablassende Systeme richtig angewendet, helfen den Betroffenen, um sich freier bewegen zu können und dass der Urin richtig abfließt. Grundsätzlich sollte die Pflegeperson in der Lage sein, das Kontinenzverhalten von Betroffenen zu beurteilen. Es ist wichtig herauszufinden, wann die zu pflegende Person auf die Toilette muss, und die pflegerische Unterstützung ist in Zusammenarbeit mit der Familie auszuloten. Und dennoch benötigen Betroffene oftmals Inkontinenzprodukte. Erfolgt die Versorgung nicht adäquat, kann eine Inkontinenzassoziierten Dermatitis (IAD) entstehen.
Hygiene AKTUELL
Umsetzung der KRINKO-Empfehlungen in Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Versorgung
Diese Artikelserie widmet sich der praktischen Umsetzung der KRINKO-Empfehlungen in der stationären und ambulanten Pflege. Sie richtet sich an Leitungskräfte, Hygienebeauftragte und Qualitätsverantwortliche, die Hygiene als festen Bestandteil professioneller Pflegekultur verankern wollen. In mehreren Teilen werden die wichtigsten KRINKO-Empfehlungen praxisnah zusammengefasst, beginnend mit Basishygiene und Schutzmaßnahmen, gefolgt von baulichen, personellen und organisatorischen Strukturen, bis hin zu spezifischen Infektionssituationen und besonderen Patientengruppen. Teil 1 legt das Fundament: Er erläutert die rechtliche Bedeutung der KRINKO, den Aufbau ihrer Empfehlungen und zeigt, wie Basishygiene in Einrichtungen wirksam umgesetzt und überprüft werden kann.
Digitalisierung
Pflegepraktische und technische Aspekte bei der Einführung von Pflegeinnovationen
Der Erfolg technischer Innovationen im Pflege- und Gesundheitswesen hängt maßgeblich von ihrer praxisgerechten Umsetzung und der Akzeptanz durch Pflegepersonen ab. Fehlende Schulungen, unklare Zuständigkeiten und technische Hürden führen häufig zu Verzögerungen oder zum Scheitern von Projekten. Das Pflegepraxiszentrum Nürnberg (PPZ-Nürnberg) hat auf Grundlage des erweiterten ELSI + -Ansatzes einen Implementierungsleitfaden entwickelt, der ethische, rechtliche und soziale Bewertungen um ökonomische, pflegepraktische und technische Aspekte ergänzt. Dieser Beitrag stellt praxisnahe Empfehlungen entlang der vier Phasen der Einführung digitaler Innovationen vor – Klärung, Information, Implementierung und Evaluation.
TI-Messenger im Gesundheitswesen: Registrierung, Anbieterwahl und BYOD richtig umsetzen
Die Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Mit dem TI- Messenger stellt die gematik erstmals eine sichere, interoperable und sektorenübergreifende Messenger-Lösung bereit, die speziell auf die sensiblen Anforderungen medizinischer Einrichtungen zugeschnitten ist. Für Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser eröffnet sich damit die Möglichkeit, Informationen schnell, direkt und datenschutzkonform zu übermitteln – ohne den bislang üblichen Rückgriff auf Faxgeräte oder unsichere kommerzielle Dienste wie WhatsApp. 1, 2, 4, 5 Die Einführung des TI-Messengers ist jedoch nicht allein eine technische, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Einrichtungen stehen vor Fragen der Registrierung, Anbieterwahl und IT-Integration – insbesondere im Zusammenhang mit dem Konzept „Bring Your Own Device “(BYOD), das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser Beitrag bietet praxisnahe Orientierung und zeigt, wie sich die Einführung sicher und effizient gestalten lässt.
QM-PRAXIS
Fallmanagement und Fallbesprechungen
Pflegebedürftige Menschen bringen häufig eine Kombination aus medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und organisatorischen Bedürfnissen mit. Einzelne Maßnahmen greifen hier selten, vielmehr braucht es eine koordinierte Gesamtsicht. Ohne eine übergeordnete Steuerung entstehen Versorgungslücken, Doppelstrukturen oder sogar widersprüchliche Interventionen. In einer immer komplexer werdenden Versorgungslandschaft gewinnt daher das Fallmanagement zunehmend an Bedeutung. Es sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Akteure an einem Strang ziehen und die Versorgung an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtet bleibt. Für Pflegeeinrichtungen eröffnet dieser Ansatz nicht nur die Chance, die Versorgungsqualität messbar zu verbessern, sondern auch Prozesse effizienter zu gestalten und die Zufriedenheit aller Beteiligten zu erhöhen. Während das Fallmanagement die gesamte Versorgung koordiniert, dienen Fallbesprechungen als gezieltes Werkzeug, um spezifische Herausforderungen zu analysieren und zu lösen. Gemeinsam bieten sie einen zentralen Baustein, um die Qualität der Pflege zu sichern und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu fördern.
Einfach nur Danke
Zum Ende dieses Jahres möchte ich die Gelegenheit nutzen, und mich bedanken.
Bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für Ihre Treue, für Ihr Feedback und Ihre Anregungen, die Sie uns immer wieder zukommen lassen, und die uns sehr wichtig sind. Bitte schicken Sie uns auch weiterhin Ihre Ideen und Wünsche, damit wir diese berücksichtigen können.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch ganz herzlich bei denjenigen von Ihnen, die uns jedes Jahr auf unserem QM-PRAXIS-TAG „besuchen “. Obwohl es sich bei dieser Tagung um eine Online-Veranstaltung handelt, lebt der Tag von der unglaublich aktiven Mitwirkung und dem Miteinander aller Teilnehmenden. Das gilt auch für alle weiteren Online-Kurse der QM-PRAXIS, die wir in diesem Jahr durchgeführt haben. Für mich ist es immer wieder aufs Neue eine Freude, zu sehen, wie Sie sich alle während der Veranstaltungen einbringen und durch den gemeinsamen (Erfahrungs-) Austausch gegenseitig unterstützen.
Das alles ist nicht selbstverständlich – im Gegenteil: Es zeichnet Ihre Berufsgruppe aus.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Jahr.
Bitte bleiben Sie so, wie Sie sind!
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Mirjam Lang
Redaktion „QM-PRAXIS in der Pflege“