Ausgabe April 2026
AUSZUG AUS DEM INHALT:
TITELTHEMA
Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz – Konsultationsfassung
Im März hat das DNQP die Konsultationsfassung des Expertenstandards Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz vorgelegt. Die erste Aktualisierung steht bis zum 8. Mai zur Kommentierung durch die Fachöffentlichkeit bereit. Danach werden die Rückmeldungen von der Expertenarbeitsgruppe gesichtet und ggf. in den Expertenstandard eingearbeitet. Üblicherweise bleibt der Inhalt im Großen und Ganzen unverändert. Folglich bietet die Konsultationsfassung damit eine Chance für QM-Verantwortliche und Pflegedienstleitungen, sich bereits vorab mit den möglicherweise notwendigen Änderungen bei der einrichtungsinternen Umsetzung auseinanderzusetzen. So lassen sich auch die Implementierungsschritte für die Neuerungen gezielt vorbereiten.
Teil 2 Qualitätsmanagement in der Pflege: Interne Audits – Erfolgreich planen, durchführen und nachbereiten
Pflegequalität entsteht durch klare Strukturen, verbindliche Standards und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. In Teil 1 dieser Serie haben wir den Blick auf die Grundlagen gelegt. Im Fokus standen rechtliche Rahmenbedingungen, interne Qualitätsinstrumente und die Logik, warum Qualität im System entsteht, lange bevor externe Prüfungen stattfinden. Teil 2 knüpft daran an und widmet sich einem Instrument, das in vielen Einrichtungen noch immer unterschätzt wird: dem internen Audit. Richtig eingesetzt, ist es ein wirksames Führungs- und Lerninstrument. Interne Audits helfen, Prozesse realistisch zu überprüfen, Schwachstellen früh zu erkennen und Verbesserungen so umzusetzen, dass sie im Alltag tragen, und nicht nur im QM-Ordner. Das entspricht dem Anspruch eines normorientierten QM-Systems. Die Umsetzung und Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems sollen regelmäßig überprüft werden, mit klaren Kriterien, dokumentierten Ergebnissen und nachweislichen Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen.
AKTUELLES
Wunsch oder Wirklichkeit: Ist die Pflege mit selbstorganisierter Pflegearbeit (New Work & Care) zu retten?
Die Pflegebedarfe werden weiter explodieren, die Pflegegehälter steigen weiter. Das geht aktuell unverändert voll zulasten der Pflegebedürftigen. Der Eigenanteil explodiert, der Pflegekassenanteil bleibt politisch eingefroren. Im Reflex die Pflegekassenbeiträge zu erhöhen, würde unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit lähmen. Die zunehmende Überalterung belastet zudem auch die Krankenversicherung. Mit steigendem Alter zahlt die Krankenkasse jedes Jahr mehr pro Versicherten. Hierfür wurde bisher nicht vorgesorgt. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen zunehmend in Rente. Frei werdende Stellen bleiben länger offen. Schon jetzt ist zu beobachten, der Anteil pflegender Angehöriger steigt, professionelle Pflege ist nicht mehr bezahlbar und schwierig zu bekommen. Solange Politiker Angst haben, dass die Pflege-Wahrheit sie die Wiederwahl kostet, werden wir gemeinsam keine Lösung des Pflegenotstands diskutieren und finden können. Ein Darlehen des Bundes von 4,2 Mrd. Euro sichert aktuell die Zahlungsfähigkeit der Pflegekassen. Im Rahmen unserer Reihe „Meinungen und Eindrücke aus unterschiedlichen Perspektiven“ beleuchtet Mark Grabfelder in diesem Beitrag den aktuellen Standort der Pflege.
ARBEITSSCHUTZ
Neufassung der TRBA 250 – Das müssen Arbeitgeber im Gesundheitsbereich jetzt wissen
Am 14.11.2025 wurde die Neufassung der TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege “beschlossen und im Januar 2026 veröffentlicht. Sie löst seitdem die bisherige Fassung der TRBA 250 in Form der vierten Änderungsfassung vom 02.05.2018 vollständig ab. Wie gewohnt wurde sie vom Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) erstellt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) bekannt gegeben. Herausgeber ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
HYGIENE
Teil 3 Umsetzung der KRINKO-Empfehlungen: Hygiene als Teamaufgabe
Hygiene ist nur dann verlässlich, wenn sie organisatorisch getragen wird: durch qualifiziertes Hygienefachpersonal, klare Zuständigkeiten, regelmäßige Schulungen und eine Führungskultur, die Infektionsprävention als Teamaufgabe versteht. Hier setzen die KRINKO- Empfehlungen an: Sie beschreiben personelle Voraussetzungen, Rollenprofile, Kommunikationswege und wie Einrichtungen ihre Verantwortung nachweisbar erfüllen.
PERSONAL/MITARBEITENDE
Schwierige Gespräche in der Pflege leiten – Gesprächsführung für Leitungskräfte im QM-Kontext
In der modernen Pflege ist Kommunikation kein bloßer „Soft Skill“, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument des Qualitätsmanagements. Angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen fungiert jedes schwierige Gespräch als Form des Risikomanagements, um Demotivation und Pflegefehler zu vermeiden. Die professionelle Gesprächsführung verfolgt dabei zwei Kernziele: Die Sicherung der Ergebnisqualität: Durch klare Anweisungen und die konstruktive Korrektur von Fehlverhalten wird die Einhaltung prozessualer Vorgaben gewährleistet. Die Mitarbeitersicherung: Die kommunikative Kompetenz entscheidet maßgeblich darüber, ob Teammitglieder nach Fehlermeldungen oder Konflikten langfristig im Unternehmen gehalten werden können. Dieser Beitrag bettet die Gesprächsführung konsequent in das QM-System ein und bietet Leitungskräften ein methodisches Gerüst für eine sachliche, rechtssichere und lösungsorientierte Interaktion.
Pflegekräfte als pflegende Angehörige – Unterstützungsangebote für belastete Mitarbeitende im Team
Der Dienst endet, die Verantwortung bleibt. Für eine wachsende Zahl von Pflegekräften bedeutet das Verlassen der Einrichtung nicht den Start in den Feierabend, sondern lediglich einen Ortswechsel zur nächsten Schicht: Zu Hause wartet der pflegebedürftige Angehörige. In der Pflegewissenschaft hat sich hierfür der Begriff „Double Duty Caregivers“ (deutsch sinngemäß „Pflegende mit doppelter Verantwortung“) etabliert. Diese Gruppe steht in einer Zwickmühle, die sich fundamental von branchenfremden Angehörigen unterscheidet. Ihr Fachwissen wird oft zur „Expertenfalle“: Das Umfeld erwartet, dass sie auch privat professionell funktionieren. Externe Hilfe wird seltener geholt, der eigene Anspruch ist hoch. Doch die im Job überlebenswichtige professionelle Distanz lässt sich am eigenen Küchentisch kaum aufrechterhalten. Diese Belastung aus physischer Anstrengung und psychischem Druck bleibt im Team oft lange unsichtbar. Mitarbeitende schweigen aus Pflichtgefühl, bis die Grenze überschritten ist. Die Folgen sind spürbar: Fehlzeiten, Arbeitszeitreduzierung oder der komplette Berufsausstieg. Führungskräfte müssen hinschauen, um diese Mitarbeitenden zu halten. Dieser Beitrag beleuchtet die spezifischen Gesundheitsrisiken, erläutert das rechtliche Sicherungsnetz und zeigt auf, wie betriebliche Interventionsstrategien wirksam entlasten können.
QM-PRAXIS
Teil 2 Qualität sichern in der Spezialpflege: Kommunikation, Dokumentation und sichere Prozesse bei seltenen Erkrankungen
Nachdem im ersten Teil dieser Beitragsreihe die Entwicklung individueller Versorgungskonzepte und die Bedeutung einer lernenden Haltung im Fokus standen, widmet sich dieser Beitrag der operativen Umsetzung im Leitungsalltag. Ein Versorgungskonzept ist nur so belastbar, wie die Prozesse, die es stützen. Für Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen stellt sich die Frage: Wie überführen wir individuelle Lösungen in rechtssichere und steuerbare Strukturen? Seltene Erkrankungen fordern das Management heraus, da bewährte Standards oft fehlen. Qualität definiert sich hier über die Belastbarkeit der Prozesse hinter der Pflege. Im Zentrum stehen nun die rechtssichere Dokumentation von Abweichungen, die Kommunikation mit hoch spezialisierten Angehörigen und die Sicherung der Versorgungsqualität bei Personalausfall. Dieser Teil bietet konkrete Lösungsansätze, um den „Einzelfall“ in ein verlässliches Qualitätsmodell zu integrieren, das Leitungen und Teams gleichermaßen Handlungssicherheit bietet.
DIGITALISIERUNG/NEUE TECHNOLOGIEN
AAL – Aktuelle Möglichkeiten und Lösungen
Entstanden ist das Anwendungsfeld Ambient Assisted Living (AAL) als Reaktion auf den demografischen Wandel. Dieser fordert gesellschaftliche, gesundheitspolitische und zunehmend technologische Lösungen, wie in Zukunft die öffentliche Daseinsfürsorge in der Betreuung und Pflege von Menschen im häuslichen Umfeld sichergestellt werden kann. Es wird für den verstärkten Einsatz digitaler Lösungen und Assistenzsysteme plädiert. Ziel ist es, das Wohnumfeld und Alltagstätigkeiten mit Technologien zu verknüpfen, um Menschen mit Unterstützungsbedarf mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen, die Sicherheit durch z. B. gesundheitliche Überwachung zu erhöhen und die Belastungen für Pflegepersonal und pflegende Angehörige durch Verbesserung der Kommunikation und Informationsbereitstellung zu reduzieren. Die Zukunft liegt nicht in der Auswahl einer Technologie für den Menschen, sondern in der intelligenten Verbindung mit Dienstleistungen, die auch die neuen Möglichkeiten wie künstliche Intelligenz (KI) integrieren. Der Artikel möchte einen Beitrag zur aktuellen Diskussion leisten und einen Orientierungsrahmen bieten.
Der Demenz trotzen
Im Herbst letzten Jahres habe ich eine wunderbare Lesung besucht: „Lebensmut trotz (t) Demenz“ von Dr. Sarah Straub. In ihrem Bühnenprogramm hat die Demenz-Expertin, Autorin und Liedermacherin dem Publikum nicht nur wissenschaftlich fundierte und verständlich aufbereitete Einblicke in das Thema Demenz gegeben, sie hat dieses wichtige und schwierige Thema auch mit Erlebnissen aus persönlichen Begegnungen mit Betroffenen und einer großen Prise Humor vermittelt. Dabei hat sie eines deutlich gemacht: wie wichtig ein offener Umgang und Aufklärung über diese belastende Erkrankung sind.
Warum erzähle ich das? Weil wir uns in dieser Ausgabe mit dem Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ beschäftigen, dessen Konsultationsfassung Ende März erschienen ist. Daneben haben wir wieder viele weitere informative Artikel für Sie zusammengestellt: zur Neufassung der TRBA 250, der Planung und Durchführung interner Audits, Hygiene als Teamaufgabe im Kontext der KRINKO-Empfehlungen oder aber Gesprächsführung für Leitungskräfte.
Und falls Sie das Thema Demenz über den Expertenstandard hinaus interessiert, so empfehle ich Ihnen einen Blick auf die Homepage von Sarah Straub. Sie gibt nämlich nicht nur in ihren Auftritten und Büchern Orientierungshilfen für die Begleitung von Menschen mit Demenz, sondern bietet auch eine Online-Demenzsprechstunde an.
Denn der Umgang mit Demenz erfordert Mut.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Mirjam Lang
Redaktion „QM-PRAXIS in der Pflege“