Ausgabe Juni 2026
AUSZUG AUS DEM INHALT:
TITELTHEMA
Arzneimittelsicherheit in Pflegeeinrichtungen: QM-Maßnahmen gegen Medikationsfehler
Die medikamentöse Therapie ist einer der komplexesten und zugleich risikoreichsten Prozesse in der stationären und ambulanten Pflege. Schätzungen zufolge treten bei jedem zehnten Medikationsvorgang Unregelmäßigkeiten auf, wobei die Bandbreite von vernachlässigbaren Abweichungen bis hin zu lebensbedrohlichen. Zwischenfällen reicht. In einem Umfeld, das durch Multimorbidität, Polypharmazie und zunehmenden Zeitdruck geprägt ist, kann die Sicherheit der Bewohner nicht allein auf der individuellen Aufmerksamkeit der Pflegefachkraft lasten. Arzneimittelsicherheit muss als systemische Aufgabe des Qualitätsmanagements verstanden werden. Ein effektives Qualitätsmanagementsystem dient hierbei nicht nur der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben nach dem SGB XI, sondern agiert als Schutzschild für Bewohner und Mitarbeitende gleichermaßen. Dieser Beitrag soll aufzeigen, wie durch eine präzise Risikoanalyse, die Standardisierung von Abläufen und eine gelebte Fehlerkultur die Medikationssicherheit nachhaltig erhöht werden kann. Dabei steht folgende Erkenntnis im Vordergrund: Fehler sind selten das Ergebnis individuellen Versagens, sondern meist das Resultat lückenhafter Prozesse.
Wenn Pflege unter die Haut geht − wie können die Hände von Pflegenden sinnvoll geschützt und gepflegt werden?
Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege sind überproportional von Handekzemen betroffen als Angehörige anderer Berufe. Etwa jede dritte Person, die im Gesundheitswesen arbeitet, entwickelt im Laufe ihres Berufslebens ein Handekzem, während es in der Allgemeinbevölkerung nur etwa jede siebte ist. Das Risiko für ein Handekzem ist für Pflegende in etwa mehr als doppelt so hoch wie in der sonstigen Bevölkerung und ist die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung im Gesundheitswesen. Dies steht v. a. im Zusammenhang mit häufigem Händewaschen, dem Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe, Desinfektions- und Feuchtarbeiten. Daten der gesetzlichen Unfallversicherung zeigen, dass zwar nur ein kleiner Anteil (≈ 3 %) der als Berufskrankheit anerkannten schweren Fälle zu einer dauerhaften Aufgabe der Tätigkeit führt, dennoch sind Handekzeme für die Betroffenen oft mit langwierigen Behandlungen und Schmerzen verbunden.
AKTUELLES
Das Konzept der stambulanten Versorgung
Das Konzept der stambulanten Versorgung will das Positive aus zwei Bereichen miteinander verbinden. Bei dem Begriff stambulant handelt es sich um ein Kunstwort aus stationär und ambulant und beschreibt eine neue Pflegeform. Ziel des Modells ist es, die hohe Versorgungsform aus der stationären Versorgung mit der Flexibilität und der Individualität der ambulanten Versorgung in einem neuen Typ zu vereinen. Hierbei setzt das Modell auf das stationäre Hausgemeinschaftskonzept. Zielgruppe sind pflegebedürftige Menschen, die sich zu Hause selbst nicht mehr versorgen können, aber noch in der Lage sind, Aufgaben zu übernehmen.1 Sie können ihren Alltag gemeinsam gestalten und damit ihre Fähigkeiten erhalten. Das Mitmachen fördert die Gemeinschaft und das Wohlbefinden der Bewohner.
QM-PRAXIS
Teil 3 Qualitätsmanagement in der Pflege: Qualitätszirkel als Erfolgsmodell in der Pflege
Pflegequalität entsteht im Alltag. Sie zeigt sich in Übergaben, in der Kommunikation mit Angehörigen, in der Dokumentation, im Umgang mit Risiken und in vielen kleinen Entscheidungen am Bett. In Teil 1 dieser Serie ging es um die Systematik der Qualitätssicherung und darum, wie Qualität entsteht, bevor sie extern bewertet wird. Teil 2 hat beschrieben, wie interne Audits diese Qualität prüfbar machen und Verbesserungen verbindlich nachhalten. Teil 3 rückt nun ein Instrument in den Mittelpunkt, das den Qualitätsgedanken in die Teams hineinträgt und damit eine Kultur stärkt, in der Verbesserung aus der Praxis kommt.
HYGIENE
Teil 4 Umsetzung der KRINKO-Empfehlungen: Überwachung, Ausbruchserkennung und Qualitätssicherung – Hygiene messbar machen
Hygiene wird besonders dann belastbar, wenn Einrichtungen Abweichungen früh erkennen und konsequent nachsteuern. Surveillance, Monitoring und Ausbruchsmanagement schaffen dafür die Grundlage, weil sie Infektionsrisiken sichtbar machen und Maßnahmen überprüfbar machen. Teil 4 unserer Serie zeigt, wie sich die KRINKO-Prinzipien in Pflegeeinrichtungen und der ambulanten Versorgung pragmatisch und prüfsicher umsetzen lassen.
RECHTLICHES/GESETZGEBUNG
KHAG: Was die Anpassung der Krankenhausreform jetzt verändert
Mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wird die Krankenhausreform politisch nachgeschärft. Auf das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) folgt damit keine neue Reform, sondern eine gesetzliche Anpassung, die den eingeschlagenen Kurs beibehält und an zentralen Stellen nachjustiert. Der Bundestag hat das KHAG am 06.03.2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 27.03.2026 zugestimmt.
Änderungen für Pflegebedürftige und Pflegepersonen aus dem BEEP
So einiges hat der Gesetzgeber im Rahmen der Pflegeversicherung auf den Weg gebracht. Es gibt zahlreiche Änderungen durch das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege, kurz BEEP. Dieser Beitrag geht auf Änderungen der Pflegeversicherung ein, insofern diese die pflegebedürftige Person direkt betreffen. Innerorganisatorische Änderungen im Rahmen der Pflegeversicherung, z. B. bei den Pflegekassen oder Krankenhäusern, der Personalbemessung oder Mitteilungspflichten der Kostenträger oder Einrichtungen sowie die Einrichtung einer Geschäftsstelle zur Begleitung und Unterstützung der Pflegeeinrichtungen, werden nicht erwähnt, nur wenn diese Auswirkungen auf die Versicherten haben.
PERSONAL/MITARBEITENDE
Digital Detox in der Pflege − Strategien zur Entlastung von Leitungskräften und Teams
Die Digitalisierung in der Pflege wurde primär mit dem Versprechen eingeführt, Prozesse zu beschleunigen und die Dokumentation zu vereinfachen. In der Realität führt die ständige Verfügbarkeit von Daten und Kommunikationskanälen jedoch häufig zu einer neuen Form der psychischen Belastung, die als „digitaler Stress“ bezeichnet wird. Wenn das Smartphone zum ständigen Begleiter wird und die Grenzen zwischen Dienstzeit und Erholung verschwimmen, sinkt nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die langfristige Belastbarkeit der Teams. Digital Detox in der Pflege bedeutet daher nicht den Rückzug aus der digitalen Welt, sondern die bewusste Gestaltung einer Arbeitskultur, in der Technik den Menschen unterstützt, statt ihn zu beherrschen. Es geht darum, digitale Werkzeuge so einzusetzen, dass sie Freiräume für die eigentliche pflegerische Tätigkeit schaffen und die mentale Gesundheit aller Beteiligten schützen.
DIGITALISIERUNG
Zwischen Aufbruch und Realität – Stimmen und Meinungen aus der 8. Konferenz „Zukunft der Pflege“
Digitale Technologien halten zunehmend Einzug in Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste und Versorgungsnetzwerke. Sie beeinflussen, wie Informationen dokumentiert, weitergegeben und genutzt werden, wie Teams zusammenarbeiten und wie Prozesse geplant und gesteuert werden. Diese Entwicklung ist nicht nur Ausdruck technischer Innovation, sondern auch eine Antwort auf zentrale Herausforderungen im Pflegesystem. Digitalisierung wird daher immer stärker als ein wichtiger Baustein betrachtet, um Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, Pflegefachpersonen im Alltag zu entlasten und die Versorgungsqualität langfristig zu sichern. Gleichzeitig ist Digitalisierung weit mehr als die Einführung neuer Software oder Geräte. Sie bedeutet Veränderung – in Arbeitsabläufen, Organisationsstrukturen und in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Entscheidend für das Gelingen dieses Transformationsprozesses sind die Menschen, die ihn in ihrer täglichen Praxis gestalten, erproben und weiterentwickeln. Vor diesem Hintergrund hat Sophia Wenzel Meinungen und Stimmen von Beteiligten der 8. Konferenz Zukunft der Pflege, die im März 2026 in Nürnberg stattgefunden hat, für Sie zusammengetragen.
Entschleunigung im Sommer?
Während ich an dieser Ausgabe arbeite, klettern die Temperaturen draußen auf 30 Grad. Der Sommer ist nicht nur die Zeit der längeren Tage, der Urlaubspläne und der kurzen Pausen vom Alltag. Die Entwicklung in der Pflege geht unvermindert weiter. Unsere Juni-Ausgabe lädt Sie deshalb dazu ein, genau hinzusehen.
Sei es im Hinblick auf QM-Maßnahmen gegen Medikationsfehler, Ausbruchserkennung und Qualitätssicherung oder aber die gesetzlichen Änderungen, die das BEEP und das KHAG mit sich bringen. Unsere Autoren haben die wichtigsten Regelungen für Sie zusammengefasst und kommentiert.
Und – passend zum Thema Entschleunigung im Sommer – gibt es einen Beitrag zu Digital Detox in der Pflege. Der Artikel zeigt auf, wie digitale Werkzeuge so eingesetzt werden können, dass sie Freiräume für die eigentliche pflegerische Tätigkeit schaffen und wie dabei die mentale Gesundheit aller Beteiligten geschützt werden kann.
Vielleicht lohnt es sich ja, das Smartphone auch im Privaten einmal wegzulegen, durchzuatmen und den Feierabend bewusst zu genießen?
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Mirjam Lang
Redaktion „QM-PRAXIS in der Pflege“