Ausgabe Oktober 2025

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AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Pflegende Angehörige unterstützen – Konzepte für die Zusammenarbeit und Entlastung im Pflegealltag
Pflegende Angehörige übernehmen in vielen Familien eine Schlüsselrolle. Sie kümmern sich oft über Jahre hinweg um ihre Partner, Eltern oder Kinder – häufig ohne formale Ausbildung, neben dem Beruf und unter hohem emotionalem Druck. Diese Menschen sind keine Pflegeprofis und doch längst zu einem unverzichtbaren Teil des Pflegesystems geworden. Für Pflegeeinrichtungen stellen sie eine wichtige Schnittstelle dar: als Informationsquelle, als emotionale Begleitung der betreuten Person und als Bindeglied zwischen häuslicher und professioneller Versorgung. Gleichzeitig sind viele Angehörige überlastet, verunsichert oder fühlen sich alleingelassen – gerade dann, wenn sich die Pflegesituation zuspitzt. Hier sind Leitungspersonen gefragt, die den Blick weiten und Strukturen schaffen, die Angehörige nicht nur „mitmeinen“, sondern konkret einbinden, informieren und entlasten. Eine professionelle Zusammenarbeit kann den Pflegealltag aller Beteiligten verbessern, wenn sie aktiv gestaltet wird. Dieser Beitrag zeigt, wie Leitungskräfte die Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen stärken können: durch Verständnis für die Herausforderungen, gezielte Unterstützungsangebote und tragfähige Konzepte, die Entlastung und Wertschätzung verbinden.

Demografiemanagement in der Pflege
Der demografische Wandel betrifft die Pflege auf doppelte Weise: Einerseits steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen stetig an. Andererseits sinkt die Zahl potenzieller Pflegefachpersonen, während das bestehende Personal immer älter wird. Viele Einrichtungenspüren diese Entwicklung bereits heute – durch Engpässe bei der Dienstplanung, steigende Belastungen und wachsenden Wettbewerbsdruck am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig verändern sich die Bedürfnisse der Mitarbeitenden. Arbeitszeitmodelle, Vereinbarkeit und langfristige Gesundheitsförderung gewinnen an Bedeutung. Leitungskräfte stehen damit vor der Herausforderung, nicht nur kurzfristige Lösungen zu finden, sondern den Wandel aktiv zu gestalten. Wer jetzt strategisch handelt, kann die demografischen Veränderungen nutzen, um Strukturen zukunftsfähig auszurichten und Mitarbeitende zu binden, bevor sie fehlen. Dieser Beitrag beleuchtet zentrale Herausforderungen im Demografiemanagement und zeigt, wie Einrichtungen auch unter schwierigen Bedingungen wirksam handeln können.

AKTUELLES
Pflege und Gesundheitsversorgung neu denken – Meinungen und Eindrücke aus unterschiedlichen Perspektiven
Im Rahmen unserer Interview-Reihe „Pflege und Gesundheitsversorgung neu denken“ freuen wir uns sehr, in dieser Ausgabe die Einschätzungen von Herrn Dr. Christian Heidl, Frau Prof. Dr. Hanna Brandt und Herrn Prof. Dr. Karsten Weber wiedergeben zu dürfen. Die drei kennen sich durch einen langjährigen fachlichen Austausch, der von Beginn an durch eine besondere Offenheit und Neugier für die Perspektiven der jeweils anderen Professionen geprägt ist. Wie sie selbst betonen, ist das, was ihre Zusammenarbeit so bereichernd macht, die Vielfalt ihrer Blickwinkel auf die Gesundheitsversorgung: Herr Heidl bringt seine Expertise aus der Gesundheits- und Pflegewissenschaft und Gerontologie mit ein, Herr Weber seine tiefgehende Erfahrung in ethischen und sozialen Technikfolgeabschätzungen, und Frau Brandt ihre gesundheitswissenschaftliche sowie physiotherapeutische Perspektive. Aus dieser interdisziplinären Verbindung entstehen lebendige Diskussionen, neue Ideen und tragfähige Konzepte. Derzeit bündeln die drei Gesprächspartner ihr Wissen und ihre Erfahrungen in einem gemeinsamen Herausgeberwerk zur Entwicklung einer Pflegekultur, das zum Jahresende erscheinen wird – ein Projekt, das genau von dieser Vielfalt lebt.

RECHTLICHES/GESETZGEBUNG AKTUELL
Gesetzentwürfe zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege sowie zur Pflegefachassistenz: Überblick und Einordnung
Das Bundeskabinett hat am 6. August 2025 zwei Vorhaben auf den Weg gebracht: ein Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege und ein Gesetz zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung. Beide Gesetzentwürfe adressieren strukturelle Engpässe des Versorgungssystems und setzen bei Rollen, Verfahren und Qualifikationen an. Für die Einrichtungen ist aktuell wichtig zu wissen: Was ist politisch beabsichtigt, welche Eckpunkte stehen im Entwurf und wie läuft der weitere parlamentarische Fahrplan ab?

QM-PRAXIS
Wiederanlaufkonzepte nach einer Krisensituation
Krisensituationen wie Stromausfälle, Cyberangriffe oder Evakuierungen stellen Pflegeeinrichtungen vor enorme Herausforderungen. Doch sobald die akute Phase überstanden ist, beginnt eine ebenso wichtige Aufgabe: der Weg zurück in den Regelbetrieb. Wie gelingt der Übergang vom Notbetrieb zum Alltag? Welche Systeme dürfen wann wieder hochgefahren werden? Wer entscheidet, was zuerst passiert? Und wie geht man mit der Dokumentation um, wenn tagelang nur auf Papier gearbeitet wurde?

PFLEGEPRAXIS
Pflegerische Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen – Qualitätssicherung im Fokus
Die Zahl der Menschen mit chronischen Erkrankungen wächst stetig und mit ihr die Anforderungen an die Pflege. Chronisch kranke Menschen benötigen nicht nur eine kontinuierliche medizinische Behandlung, sondern auch eine individuell abgestimmte pflegerische Begleitung, die auf wechselnde Bedürfnisse eingeht. Dabei geht es nicht allein um körperliche Versorgung, sondern ebenso um emotionale Unterstützung, Anleitung zur Selbstfürsorge und die aktive Einbindung von Angehörigen. In der Pflegepraxis bedeutet das: Qualitätssicherung darf nicht als starres Instrument verstanden werden, sondern als lebendiger Prozess, der sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert. Es geht darum, mit strukturierten Methoden Verlässlichkeit zu schaffen und gleichzeitig genügend Raum für individuelle Anpassungen zu lassen. Dieser Beitrag zeigt, wie Pflegekräfte und Leitungspersonen Qualität in der Versorgung chronisch erkrankter Menschen sichern können, indem sie Pflegestandards gezielt einsetzen, die Pflegeplanung individuell abstimmen und ein systematisches Risikomanagement nutzen, das Komplikationen frühzeitig erkennt und ihnen präventiv begegnet.

Implementierung eines Ethikkomitees in Pflegeeinrichtungen – Ein Leitfaden für Führungskräfte
Ethische Fragestellungen sind im Pflegealltag allgegenwärtig – oft leise, manchmal drängend, selten eindeutig. In den ersten beiden Teilen dieser Reihe stand der Umgang mit ethischen Herausforderungen im Vordergrund: Wie können Leitungskräfte Orientierung bieten? Wie gelingt Entscheidungsfindung am Lebensende? In diesem dritten Teil richten wir den Blick auf die institutionelle Ebene. Ein Ethikkomitee bietet Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit, ethische Themen nicht nur fallbezogen zu bearbeiten, sondern strukturell zu verankern. Es schafft einen geschützten Raum für Reflexion, entlastet Mitarbeitende in schwierigen Situationen und fördert eine gelebte Haltung, die über Einzelfälle hinausreicht. Doch wie gelingt die Implementierung eines solchen Gremiums? Welche Voraussetzungen braucht es und wie lässt sich die Wirksamkeit dauerhaft sichern? Dieser Beitrag gibt praxisnahe Antworten und zeigt, wie ethische Reflexion Teil der Organisation werden kann – klar strukturiert, realistisch und nachhaltig.

Teil 2: Pflegefachkräfte stärken – Schulung, Anleitung und Kommunikation im Schmerzmanagement
Schmerzmanagement lebt von der Kompetenz der Pflegefachkräfte. Sie sind es, die Schmerzen erfassen, dokumentieren, Maßnahmen umsetzen und den Verlauf beobachten. Leitlinien und Expertenstandards machen deutlich, dass ohne systematische Schulung und gezielte Anleitung selbst die besten Strukturen nicht wirksam greifen können. Für Führungskräfte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bedeutet das: Schulung und Kommunikation müssen als feste Säulen des Schmerzmanagements etabliert und überprüfbar verankert sein. Nur so gelingt es, dass Pflegefachkräfte im Alltag sicher handeln und Patientinnen zuverlässig versorgt werden. Teil 2 unserer Artikelserie „Schmerzmanagement erfolgreich gestalten – Leitlinienbasierte Umsetzung in der Pflegeorganisation“ zeigt praxisnah, wie ein Schulungskonzept aufgebaut wird, welche Kompetenzen Pflegekräfte benötigen, wie Anleitung im Alltag gelingt und welche Kommunikationswege die Zusammenarbeit stärken.

DIGITALISIERUNG
Pflegeinnovationen verantwortlich umsetzen: Rechtliche und ökonomische Aspekte der Implementierung
In der letzten Ausgabe haben wir die Arbeit des Pflegepraxiszentrums (PPZ) Nürnberg vorgestellt, das einen Leitfaden für die erfolgreiche Integration digitaler Technologien für die Pflegepraxis entwickelt hat. Im vorliegenden Artikel gehen die Autorinnen auf die rechtlichen und ökonomischen Aspekte der Implementierung ein.

Die Pflege stärken?

Zwei Gesetze sollen künftig die Pflege stärken: Im August hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege auf den Weg gebracht, am 17. Oktober hat der Bundesrat dem Gesetz für eine einheitliche Ausbildung zur Pflegefachassistenz zugestimmt. Beide Gesetze haben zum Ziel, die Pflege zu entlasten, das Berufsbild attraktiver zu machen und die pflegerische Versorgung zu sichern. Ob das gelingen kann, wird sich zeigen, wenn es an die konkrete Umsetzung geht.

Damit Sie wissen, was die Gesetze für die Praxis bedeuten, haben wir in einem Überblicksartikel die Eckpunkte für Sie zusammengefasst und kommentiert. Unterschiedliche Blickwinkel auf die aktuelle Situation der Pflege finden Sie in unserer Interviewreihe „Pflege neu denken“: Wir konnten in dieser Ausgabe wieder einen informativen Austausch mit interessanten Impulsen realisieren. Vielleicht finden Sie aber auch im Artikel „Demografiemanagement in der Pflege“ Anregungen, mit welchen Strategien Sie Ihre Einrichtung angesichts des demografischen Wandels und der damit verbundenen Herausforderungen zukunftsfähig aufstellen können.

Es ist klar, dass sich nicht alle Entwicklungen immer ohne Weiteres in Ihren Berufsalltag integrieren und durchführen lassen. Trotzdem: Es tut sich in nächster Zeit einiges in der Pflege. Jetzt geht es darum, die Entscheidungen umzusetzen – in der Politik und in der Praxis. Es bleibt spannend …

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Mirjam Lang
Redaktion „QM-PRAXIS in der Pflege“