Ausgabe Juli | August 2017

AUSZUG AUS DEM INHALT:

    SPEZIALTHEMA
    Design trifft Demenz – Projekte zur Umfeldgestaltung
    Wir haben bereits an anderer Stelle über das Thema Gestaltung und Demenz berichtet. In unterschiedlichen Zusammenhängen spielt Umfeldgestaltung in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern eine Rolle. Sei es, weil ein kahler weißer Krankenhausflur nicht gerade erbaulich und förderlich für das Wohlbefinden ist oder weil zum Beispiel die jahreszeitliche Dekoration Teil der MDK-Prüfung ist. Sicherlich sind die Geschmäcker verschieden und was für den einen eine schöne Dekoration ist, ist für den anderen schrecklich verkitscht und deswegen für das eigene Wohlbefinden nicht notwendig oder sogar störend. Mancher Familienstreit hat sich daran schon entzündet. Im nachfolgenden Artikel soll es deswegen nicht darum gehen, Designideen in der gleichen Form wie Kochrezepte oder Bastelanleitungen vorzustellen. Sie werden keine Anleitung erhalten, wie Sie Ihre Einrichtung bestmöglich dekorieren, um Demenzpatienten eine besondere Wohlfühlatmosphäre zu bieten. Vielmehr geht es darum, Projekte und die Herangehensweise an diese Projekte vorzustellen. Dieser Artikel soll den Start einer losen Serie bilden, in der wir Best-practice-Beispiele im besten Sinn vorstellen.

    RECHTLICHE ANFORDERUNGEN / ZERTIFIZIERUNG
    BDSG ade – neue Datenschutzregeln ab 2018 – was Qualitätsmanager jetzt beachten müssen!
    Pflegeeinrichtungen und -dienste in der gesamten Europäischen Union sehen sich zeitnah mit einer gravierenden Rechtsänderung konfrontiert. Sie betrifft den Umgang mit personenbezogenen Daten ihrer Klienten. Dies berührt grundsätzlich alle die Privatsphäre tangierenden Daten, wie etwa Namen, Adressen oder Kontonummern. Im Pflegekontext rücken insbesondere die sogenannten Gesundheits- und Medizindaten in den Vordergrund, da diese bei unbefugter Kenntnisnahme durch Dritte die Persönlichkeitsrechte der Klienten besonders beeinträchtigen und daher vom Gesetzgeber als besonders schützenswert erachtet werden.

    Neuerungen beim Infektionsschutz durch das Gesetz zur Modernisierung der Überwachung übertragbarer Erkrankungen
    Im Gesundheitswesen spielt der Schutz vor übertragbaren Erkrankungen eine besondere Rolle. Immer wieder erschrecken Meldungen von sogenannten Superkeimen die breite Öffentlichkeit und Fachleute prognostizieren eine starke Zunahme resistenter Keime. Grundsätzlich wird der Infektionsschutz in den unterschiedlichsten Initiativen aufgegriffen. Es gibt nationale und internationale Programme und Maßnahmenbündel, um zum Beispiel die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern oder die oben genannte Zunahme von Resistenzen zu bremsen. Jetzt hat der Bundesrat ein Artikelgesetz verabschiedet, das insbesondere das Infektionsschutzgesetz ändert. Für den Infektionsschutz bietet das Infektionsschutzgesetz den rechtlichen Rahmen und ist deswegen für Einrichtungen im Gesundheitswesen besonders wichtig. Die Änderung fasst sehr unterschiedliche Bereiche zusammen. So verstecken sich hinter dem sperrigen Titel des Gesetzes „Gesetz zur Modernisierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Erkrankungen“ neben elektronischen Melde- und Informationspflichten auch Handlungsoptionen zur Beschleunigung von Bekämpfungsmaßnahmen.

    DOKUMENTATION / EXPERTENSTANDARDS
    Der aktualisierte Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege
    Ende Juni hat das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) den aktualisierten Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege veröffentlicht. Es handelt sich um die zweite Aktualisierung dieses besonders relevanten Expertenstandards. Im Jahr 2000 wurde der Expertenstandard das erste Mal konsentiert, 2010 wurde er dann zum ersten Mal aktualisiert. Die jetzige Fassung wird in einem Projekt von Juni bis Dezember 2017 in der Praxis eingesetzt. Ergebnisse dieses Praxisprojekts werden Anfang März 2018 vorgestellt werden.

    EDV-gestützte Dokumentation – wie wandelt sich die Pflegearbeit?
    Derzeit wird viel über die Digitalisierung der Arbeit diskutiert. Tatsächlich können neue Technologien auch den Alltag in der professionellen Pflege in grundlegender Weise verändern. Durch Computer, Mobilfunk und Internet werden immer mehr Daten immer schneller verarbeitet und übertragen und es wird möglich, auf diese Daten an beinahe jedem Ort zuzugreifen. Die Betreiber von Pflegediensten und Heimen stehen also vor der Frage, ob und inwieweit sie sich der neuen technischen Möglichkeiten bedienen und welche Auswirkungen dies auf die Einrichtungen und auf die Beschäftigten haben wird. Der folgende Übersichtsartikel diskutiert mögliche Auswirkungen eines verstärkten Technikeinsatzes am Beispiel der EDV-Dokumentation.

    HYGIENE AKTUELL: INFEKTIONSSCHUTZ
    Fokus Infektionskrankheiten: TBC und andere längst nicht ausgerottete Infektionen
    Ausrottung oder ausgerottete Infektionen – für viele eher ungewöhnliche Ausdrücke. „Ausrottung“ ist ein in der Ökologie gebräuchlicher Begriff für das Verschwinden biologischer Arten durch den Einfluss des Menschen. So erklärte 1979 die WHO nach weltweiten Impfprogrammen die Pocken auf der Erde offiziell als ausgerottet. Für keine andere Infektionskrankheit ist dies vorher gelungen. Doch sonst gibt es keine „ausgestorbenen“ Infektionen. Im Gegenteil: Die WHO macht auf sog. „vernachlässigte Krankheiten“ (engl. neglected tropical diseases) aufmerksam, denen jährlich Millionen Menschen zum Opfer fallen. Und TBC, Polio und Malaria sind wie bisher sehr bedeutsame Infektionen, an denen viele Menschen erkranken. Mit weiteren für uns in Europa eher seltenen Infektionen befasst sich dieser Beitrag.

    HYGIENE AKTUELL: HYGIENEMANAGEMENT
    Salmonellenenteritis
    Salmonellen sind in Deutschland neben Campylobacter nach wie vor von herausragender Bedeutung als Ursache einer bakteriellen Enteritis (Entzündung des Darms). Im Jahr 2015 wurden ca. 14.000 Salmonella-Infektionen gemeldet, für Campylobacter ca. 70.000 (RKI 2016b). Nachfolgend werden die wesentlichen Fakten zu Salmonellen zusammengefasst. Mithilfe der Praxishinweise können Sie in Ihrer Einrichtung die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen und bei einem Infektionsausbruch entsprechende Maßnahmen einleiten.

    Pflege und Medien

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Pflege und Medien – warum dieses Thema? Ursprung dieses Editorials ist tatsächlich die auffallende Präsenz von Pflegethemen in den Medien im Verlauf der letzten Monate. Eine Zeit lang waren die Nöte von Pflegekräften häufiger Thema von Reportagen und Diskussionen. Man konnte den Eindruck gewinnen, Pflege ist im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Ähnlich war es in den letzten Jahren mit dem Thema Demenz. Immer wieder gab es Filme oder auch Informationssendungen zu diesem Thema.

    Die Frage, die sich dabei aufdrängt, ist, welche Auswirkung mediale Präsenz auf die allgemeine Wahrnehmung und auch das Problembewusstsein hat. Genügt es, im Rahmen solcher Sendungen das Thema aufzugreifen, um die breite Öffentlichkeit für die Probleme zu sensibilisieren, oder erreicht man damit sowieso nur die Menschen, die sich bereits mit den Themen beschäftigt haben? Denkbar ist beides. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und deswegen hoffe ich tatsächlich, dass die breite Öffentlichkeit sich darüber bewusst wird, welche Probleme Pflege aktuell und zukünftig tatsächlich hat.

    Je mehr Öffentlichkeit Pflege bekommt, desto eher werden die zukünftigen Herausforderungen auch von Politikern gesehen und als wichtig wahrgenommen. In den nächsten Monaten wird der Wahlkampf in die heiße Phase gehen. Die Gedanken der politischen Parteien zu Pflege und Gesundheit sind Teil der Wahlprogramme und damit können sie auch Thema in den Medien werden.

    Natürlich gibt es eine Vielzahl weiterer Themen, die momentan drängend und wichtig sind. Pflege hat da kein Alleinstellungsmerkmal, aber das ist nicht damit gleichzusetzen, sich zurückzuziehen und darauf zu hoffen, dass für Pflege auch ein bisschen Aufmerksamkeit übrig bleibt. Vielmehr muss es jetzt darum gehen, die mediale Präsenz zu nutzen bzw. zu stärken und die Problemfelder anzusprechen. Nur wenn Politiker die Bedeutung erkennen, auch wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, sind Veränderungen möglich. Mehr über die Positionen der wichtigsten Parteien erfahren Sie in dieser Ausgabe.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre Barbara Poschwatta
    Objektleitung „QM-PRAXIS in der Pflege“