HYGIENE AKTUELL

Fokus Infektionskrankheiten: TBC und andere längst nicht ausgerottete Infektionen

Text: Franz Sitzmann | Foto (Header): © Giovanni Cancemi – stock.adobe.com

Ausrottung oder ausgerottete Infektionen – für viele eher ungewöhnliche Ausdrücke. „Ausrottung“ ist ein in der Ökologie gebräuchlicher Begriff für das Verschwinden biologischer Arten durch den Einfluss des Menschen. So erklärte 1979 die WHO nach weltweiten Impfprogrammen die Pocken auf der Erde offiziell als ausgerottet. Für keine andere Infektionskrankheit ist dies vorher gelungen. Doch sonst gibt es keine „ausgestorbenen“ Infektionen. Im Gegenteil: Die WHO macht auf sog. „vernachlässigte Krankheiten“ (engl. neglected tropical diseases) aufmerksam, denen jährlich Millionen Menschen zum Opfer fallen. Und TBC, Polio und Malaria sind wie bisher sehr bedeutsame Infektionen, an denen viele Menschen erkranken. Mit weiteren für uns in Europa eher seltenen Infektionen befasst sich dieser Beitrag.

Auszug aus:

QM Praxis in der Pflege
Ausgabe Juli / August 2017
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Einführung in das Thema

Für das gezielte Ausrotten von Krankheitserregern aus der Menschheit wird im Deutschen auch der englische Begriff eradication benutzt, z. B. die Polio-Eradikation. Gelungen ist dies weder für die Kinderlähmung, die seit 1988 als Ziel auf der WHO-Liste steht, noch für die Masern-Infektion, die auch komplett von der Erde zurückgedrängt werden soll.

Infektionen bei Asylsuchenden

Um es vorwegzunehmen: Für die einheimische Bevölkerung geht von den in Deutschland ankommenden Flüchtlingen keine gesundheitliche Gefahr aus, so die Meinung des RKI (2017). Sie sind vielmehr selbst eine gesundheitlich gefährdete Gruppe. Oft kommen sie durch die Flucht geschwächt zu uns, leben eng in Gemeinschaftsunterkünften zusammen. Damit wächst das Risiko für sich schnell ausbreitende Infektionen. Es sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, die an Erkältungen, Magen-Darm-Infekten und sog. Kinderkrankheiten wie Windpocken, Mumps oder Masern erkranken. Bei den Arbeitshilfen finden Sie eine Tabelle mit einigen Übertragungswegen und Symptomen sog. Kinderkrankheiten, die bei Asylsuchenden, vielfach wegen fehlender Immunität, erst im Erwachsenenalter gehäuft auftreten.

Sogenannte „Kinderkrankheiten“ und Immunität

Oft treten „Kinder“-Krankheiten auf, die sich grundsätzlich von anderen, oft sogar schwerwiegenderen Erkrankungen im Kindesalter, wie Bronchitis (Entzündung der Bronchien), Pneumonie (Lungenentzündung), Otitis media (Mittelohrentzündung), Tonsillitis (Mandelentzündung), Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) usw., unterscheiden. Sie werden durch einen bestimmten Erreger verursacht, haben in der Regel einen zeitlich exakt definierten Verlauf, gehen meist mit einem typischen Hautausschlag einher und hinterlassen, nachdem sie überwunden oder „durchgemacht“ sind, eine lebenslange Immunität. Damit treten sie im Leben eines Menschen mit wenigen Ausnahmen nur einmal auf.

Die hier beschriebene Immunität lässt sich für verschiedene Infektionserkrankungen auch durch Impfungen herstellen. Dieser Schutz ist oft zeitlich begrenzt und muss regelmäßig „aufgefrischt“ werden und ist nicht immer so wirksam wie die natürlich erworbene Immunität.

Wie kommen seltene Infektionen zu uns?

Die meisten Infektionen, die bei Flüchtlingen und Asylbewerbern auftraten, sind den Behandelnden seit Langem bekannt (Alberer 2016). Allerdings existieren je nach Herkunftsland auch Infektionen mit seltenen Erregern. Daran infizieren sich auch immer wieder Urlauber und bringen sie als gefährliche „Mitbringsel“ von Reisen aus den Tropen mit. Eine Übersicht finden Sie bei den Arbeitshilfen. Wesentlich begründet liegt es in der intensiven internationalen Reisetätigkeit und den dabei praktizierten Risiken, dass heute auch in Deutschland mit dem Import von seltenen Infektionskrankheiten gerechnet werden muss. Als relevante Erkrankungen gehören dazu Infektionen wie Typhus abdominalis, Malaria oder Läuserückfallfieber.

Vernachlässigte Krankheiten

Es gibt seltene Infektionen, wie die Kinderlähmung, sowie „vernachlässigte Krankheiten“ (Moloo 2017). Mit neglected tropical diseases (NTDs) wird von der WHO eine Gruppe von 17 tropischen Krankheiten bezeichnet, für deren Medikamentenentwicklung sich keine kaufkräftigen Kunden finden, die fähig sind, den Pharmafirmen den Aufwand für Forschung, Marketing und Gewinn zu bezahlen. Und sie finden im Gegensatz zu AIDS und Malaria wenig politische Aufmerksamkeit. Auch Stiftungen zahlten in der Vergangenheit wenig für derartige Medikamentenentwicklungen. So konzentriert sich die umstrittene und mit Abstand größte Privatstiftung der Welt, die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, mit ihrem Engagement auf die Erforschung von Impfstoffen gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria sowie das Bereitstellen von Impfstoffen gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Keuchhusten, Masern und Gelbfieber (Hartmann 2014).

Wesentlich scheint jedoch, dass die Bewohner der Industrieländer aufgrund ihrer Klimabedingungen, einer intensivierten Hygiene und wegen des Fehlens der Überträger, insbesondere der Fliegen- und Mückenarten sowie Würmer, nicht betroffen sind. Diese Bedingungen können sich durch Klimaveränderungen wandeln.

Meist sind die „vernachlässigten Krankheiten“ keine tödlichen Infektionen, sondern in der Regel chronische Krankheiten. Und es existieren oft Behandlungsmöglichkeiten, wie bei der Lepra (oft Aussatz genannt), und machen sie heilbar. Sie betreffen vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten (Zylka-Menhorn 2017) und NTDs führen zu schweren Einschränkungen und Behinderungen. Dauernde Probleme für die Menschen sind, dass Kinder nicht zur Schule gehen und Erwachsene als Arbeitskraft ausfallen, damit ist Verarmung verbunden und eine geminderte Lebensqualität. Auch verringert sich jede Chance für wirtschaftliches Wachstum.

Weitgehende Präventionsmöglichkeiten sind bekannt, wie bei der Ascariasis, also dem Befall mit Spulwürmern. Hier würden die Abwasserbehandlung und Hygiene in der Erzeugung und im Handel mit Nahrungsmitteln eine dauerhafte Hilfe und Vorbeugung darstellen.

Abkürzungen

IfSG = Infektionsschutzgesetz vom 20.7.2000, zuletzt geändert am 18.7.2016

RKI = Robert Koch-Institut

TB oder TBC = Tuberkulose

UNEP = United Nations Environment Programme = Umweltprogramm der Vereinten Nationen

WHO = Weltgesundheitsorganisation

Übertragungswege

Für die Übertragung von Mikroorganismen kommen in Betracht z. B.

  • besiedelte (kolonisierte) oder infizierte Mitmenschen (Angehörige, andere Erkrankte) sowie
  • Kontaminationen oder Keimreservoire in der Umwelt.

Direkter Kontakt

Der Erreger wird von infizierten oder kolonisierten Menschen direkt auf einen „Empfänger“ übertragen (Körperberührung). Weitere Kontaktübertragungen können durch Erde erfolgen, z. B. Tetanus.

Die direkte Kontaktübertragung ist für Mikroben sehr viel effektiver als die indirekte Kontaktübertragung.

Beispielhafte übertragbare Erkrankungen als Folge von Patientenbetreuung sind die Übertragung von

  • Hautpilzen (Dermatophyten) in kleine Hautläsionen der Hände und Unterarme bei pflegerischer Arbeit
  • Scabies (Krätze) vom Patienten auf die Haut von Pflegenden während der Körperpflege und Mobilisation mit engem Körperkontakt.

Tröpfchenübertragung als Sonderform der Kontaktübertragung

Die Mehrheit der üblichen Infektionskrankheiten erfolgt durch Infektionsübertragung durch große respiratorische Tröpfchen. Bei dieser Sonderform der Kontaktübertragung werden die Mikroben direkt aus dem Respirationstrakt einer Person durch die Luft auf empfindliche Schleimhautareale einer anderen Person geschleudert. Sie müssen direkt eingeatmet werden oder die Schleimhaut von Nase, Mund oder Augen erreichen. Dies erfolgt meist beim Sprechen, Niesen, Husten oder Erbrechen. Solche sog. „face-to-face-Kontakte“ sind in der Pflege häufig, aber auch bei therapeutischen Maßnahmen wie Bronchoskopien, dem endotrachealen Absaugen oder der Atemtherapie werden Tröpfchen respiratorischen Sekrets ausgestoßen. Diesen Partikeln fehlt die Möglichkeit, längere Zeit in der Luft zu schweben (Größe > 5 μm), nach kurzer Distanz (max. 1,5 –2 m) sedimentieren sie, d. h., sie fallen auf die Erde oder Oberflächen. Typische Beispiele für Infektionen durch Tröpfchenübertragung sind:

  • Meningokokken-Meningitis
  • Influenzaviren (Grippeerkrankung) mit Adenoviren
  • Keuchhusten (Bordetella pertussis)
  • Mumps (Rubulavirus)
  • Masern (Morbillivirus).

Indirekter Kontakt

Bei dem indirekten Übertragungsweg von Infektionen werden Keime über kontaminierte Gegenstände übertragen. So wurden entweder die Gegenstände nach Benutzung bei einem Patienten nicht oder unzureichend aufbereitet, z. B. das Bronchoskop oder das Stethoskop. Möglich ist aber auch die Weitergabe der Keime durch indirekten Kontakt des kontaminierten Gegenstandes oder der Oberfläche mit einer empfänglichen Person. Durch die kontaminierten Hände oder ständig langfristig getragene, kontaminierte Schutzhandschuhe der Mitarbeiter werden am ehesten Mikroorganismen durch indirekte Kontaktübertragung weitergegeben.

Merke

Die häufigste Übertragung von Mikroben erfolgt durch Kontakt mit (nicht desinfizierten) Händen (indirekte Kontaktübertragung).

Übertragung durch Aerosole (aerogene Übertragung)

Eine aerogene Infektionsübertragung, auch luftgetragene oder früher „fliegende Infektion“ genannt, erfolgt durch Mikroorganismen, die in Tröpfchenkernen oder feinsten Staubpartikeln verbreitet werden. Diese Tröpfchenkerne entstehen bei der Verdunstung von größeren respiratorischen Tröpfchen. Bleiben in diesen Kernen die Mikroben über längere Zeit infektiös erhalten und werden sie von Personen inhaliert, können aerogen erworbene Infektionen entstehen. Es handelt sich um Aerosolpartikel mit einem Durchmesser <5 Mikrometer (μm), die über längere Zeit in der Luft schweben können. Als sehr kleine, sehr leichte und in relativ stabiler Dispersion (Verteilung) befindliche infektiöse Mikropartikel (Tröpfchenkerne) umgehen sie wichtige physiologische und immunologische Barrieren. Beispiele für aerogene Infektionsübertragung sind

  • Lungen-Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis)
  • Windpocken (Varizellen-/Zoster-Virus)
  • Masern (Morbillivirus).

Parenterale Übertragung

Der Erreger gelangt über die nicht intakte Haut oder Schleimhaut bzw. durch Injektion oder Punktion in den Körper. Beispiel für eine derartige Infektion ist die Inokulation (das Spritzen) von Hepatitis-B-haltigem Blut eines Patienten in das ungeschützte Auge eines Mitarbeiters während des Geburtsvorgangs. Parenteral wird auch die Hepatitis C zwischen Menschen übertragen.

Mikroben aus der Umwelt

Die Übertragung von Mikroorganismen, die in der Umwelt außerhalb des menschlichen Körpers ihr natürliches Reservoir haben, ist in unserer Lebenswelt seltener als die Infektionsübertragung durch Kontakt oder Tröpfchen. Beispiel für eine derartige Infektionsübertragung ist die Legionellenpneumonie. Die Infektion erfolgt durch Einatmen bakterienhaltigen Wassers (Bioaerosol), entweder als

  • Inhalation, (z. B. kontaminierte Warmwasserleitung beim Duschen, Luftbefeuchter, Kühltürme, Klimaanlagen oder Whirlpool) oder als
  • Aspiration legionellenhaltigen Wassers in die Lungen.

Zudem können Bioaerosole, die in der Natur ubiquitär existente Mikroorganismen, z. B. Schimmelpilze (Aspergillussporen), in sich tragen, Ausgangsort für Infektionen von empfänglichen Menschen sein. Die Sporen werden z. B. beim Öffnen von Biomülltonnen oder Abbrucharbeiten in alten Gebäuden zu einer Infektionsgefahr für immunsupprimierte Menschen.

Weiter existieren tierische Träger als aktive Krankheitsüberträger, wie z. B. Zecken, die als infizierte Träger, ohne selbst erkrankt zu sein, Menschen beißen, bei ihrer Blutmahlzeit Erreger abgeben und danach eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auftritt. Weitere Zoonosen können durch Mücken (Malaria) und Kleiderläuse (Läuserückfallfieber) ausgelöst werden.

Beispiele für in Europa eher seltene Infektionen

Läuserückfallfieber

Eine durch die Kleiderlaus übertragene, bei uns eher seltene, aber schwerwiegende Erkrankung ist das Läuserückfallfieber. Es wird von dem Erreger Borrelia recurrentis ausgelöst. Zwar können sich Menschen untereinander bei engem Körperkontakt anstecken, in erster Linie erfolgt die Übertragung allerdings durch mit Borrelien infizierte Kleiderläuse. Gehäuft tritt diese Infektion in einigen Regionen Asiens und Südamerikas, Nord-, Zentral- und Ostafrikas auf, insbesondere in Äthiopien, Eritrea und Somalia.

Merke

Für den Menschen gelten als Gefahr die drei Läusearten (Parasiten):

  • Pediculus humanus humanus (Kleider- oder Körperlaus)
  • Pediculus humanus capitis (Kopflaus)
  • Phthiruspubis (Filz- oder Schamlaus).

Ihre Namen weisen auf die jeweiligen Befallsorte hin.

Die Kopflaus

Die Kopflaus hat – im Gegensatz zur Kleiderlaus – als Krankheitsüberträger so gut wie keine Bedeutung. Wohl können Kopfläuse ebenso wie Kleiderläuse bei ihrer Blutmahlzeit Krankheitserreger aufnehmen, etwa Rickettsien als Erreger von Fleckfieber. Da die Kopfläuse jedoch den Mensch als Wirt sehr viel seltener wechseln als Kleiderläuse, spielen sie als Infektionsüberträger so gut wie keine Rolle.

Kleiderläuse

Ausbrüche von Kleiderläusen sind in Deutschland bei Flüchtlingen beschrieben (RKI 2015; Fingerle 2016). Sie entstehen durch Überbelegung der Unterkünfte sowie der großen Zahl von Menschen, welche häufig über längere Zeit auf engem Raum leben müssen. Die Inkubationszeit für Borrelia recurrentis ist kurz (4 – 8 Tage), daher muss angenommen werden, dass infizierte Läuse zusammen mit den Flüchtlingen ankommen können.

Andere empfängliche Gruppen für eine Infestation (= Besiedlung mit einem Parasiten) mit der Kleiderlaus sind Menschen, die von Naturkatastrophen betroffen sind. Als Risikofaktoren gelten also die Armut, das enge Zusammenleben und Hygienemängel.

Weitere Informationen zur Kleiderlaus siehe die Merke-Boxen und bei den Arbeitshilfen.

Die Erkrankung Läuserückfallfieber

Die Erkrankung Läuserückfallfieber wird über B. recurrentis infizierte Kleiderläuse, z. B. wegen des durch den Läusespeichel induzierten Juckreizes ausgelöst, wenn sie zerdrückt werden und dabei erregerhaltige Hämolymphe auf die Haut gelangt. Eine Infektion kann auch über intakte Haut oder Schleimhaut den Wirt infizieren (Fingerle 2016).

Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie neurologischen Symptomen. Im weiteren Verlauf kann es zu Leberzellschädigung und verschiedenen Komplikationen kommen. Ohne Therapie sterben 2 bis 10 Prozent der Infizierten. Die Erkrankung ist jedoch mit Antibiotika gut behandelbar.

Merke

Kleiderlaus: Die Kleiderlaus sieht der Kopflaus sehr ähnlich. Erwachsene Tiere werden circa 2,5 bis 4,0 mm groß. Sie leben im Wesentlichen in verunreinigten Kleidungsstücken, Bettwäsche, Decken und anderen Textilien, die mit der Haut in Berührung kommen, oder auf kleidungsbedeckten Körperteilen des Menschen. Dort kann sie 30 Tage ohne Kontakt zum Wirt ausharren, bis sie sich zur Mahlzeit, bei der sie Wirtsblut saugt, auf die Haut begeben muss. Ihre Eier legt sie mit Vorliebe in den Nähten der Kleidung ab, ganz selten auch in Körperhaaren. Für ihre Entwicklung benötigen die Tiere menschliches Blut, das sie mit ihren Mundwerkzeugen aufsaugen. Die Läusebisse rufen einen mehr oder weniger starken Juckreiz hervor. Wer die Haut blutig kratzt, riskiert eine bakterielle Sekundärinfektion.

Die Behandlung von Kleiderläusen kann mit Wasser erfolgen! Der Mensch soll baden und die Kleidung muss möglichst heiß gewaschen werden. Da die Kleiderlaus auf der Innenseite der Kleider sitzt (dem Körper zugewandt), ist auch die Kontrolle der Kleider erforderlich.

Kleiderläuse auf dem Körper beziehungsweise Nissen an der Körperbehaarung können mit einem Kopflauspräparat unschädlich gemacht werden. Um alle Stadien der Läuse sicher zu beseitigen, ist auch hier, wie bei Kopfläusen, eine zweite Behandlung nach sieben bis zehn Tagen notwendig. Nochmaliger Wäschewechsel nach der Zweitbehandlung ist angebracht. Zudem sollten Unterwäsche, Kleidung, Schlafanzüge, Bettwäsche, Matratzen und Decken entlaust werden und auf konsequente Körperhygiene geachtet werden.

Außer dem Läuserückfallfieber können Kleiderläuse weitere Erkrankungen übertragen, die bei uns sehr selten sind: Läusefleckfieber (Rickettsien), Wolhynisches Fieber (Fünf-Tage-Fieber) und Tularämie (Hasenpest).

Lepra

Das die Lepra hervorrufende Mycobacterium leprae hat viele Ähnlichkeiten mit dem Erreger der Tuberkulose, Mycobacterium tuberculosis. Kam die Lepra früher weltweit vor, ist sie heute in den entwickelten Ländern ausgerottet. Und die monate- bis jahrelange Kombinationstherapie mit Sulfonamiden und Antibiotika kann Heilungen bewirken. In der Dritten Welt und in Schwellenländern gibt es diese Krankheit noch, hauptsächlich in Südostasien, in Indien sowie in Afrika und Brasilien. Hier fehlen jedoch oft aus wirtschaftlichen Gründen Behandlungen.

Übertragung

Der kranke Mensch gilt als Infektionsquelle, Voraussetzung für eine Übertragung ist ein intensiver direkter Kontakt mit verletzter Haut, Schleimhaut oder als größte Gefahr einer Übertragung das Sekret eines blutigen Schnupfens.

Symptome

Abhängig von der Abwehrlage des Infizierten kann Lepra sehr unterschiedlich verlaufen. Bekämpft die körpereigene Abwehr die Lepraerreger und ihre Vermehrung, entsteht ein Krankheitsbild, das der Tuberkulose ähnelt und deshalb als tuberkuloide Lepra bezeichnet wird. Im Frühstadium äußert sich Lepra in unscharf abgegrenzten Flecken (Lepride) auf der Haut. Sie sind bei dunkelhäutigen Menschen heller als die gesunde Haut, bei hellhäutigen sind sie gerötet. Für den Erkrankten fühlen sich die Flecken taub an. Der frühzeitige Befall der Nerven macht sich durch Empfindungsstörungen und Lähmungen bemerkbar.

Malaria

Immer mehr Menschen reisen in die Tropen und Subtropen, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Damit wird Malaria häufig importiert, die wohl eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, aber bei frühzeitiger Diagnose immer geheilt werden kann.

Erreger

Malaria wird durch Protozoen der Gattung Plasmodium verursacht, ihre ungeschlechtliche Vermehrung findet im Menschen statt. Plasmodium falciparum machen den größten Anteil aus.

Übertragung

Die Übertragung der Plasmodien erfolgt in der Regel durch den Biss einer blutsaugenden weiblichen Stechmücke der Gattung Anopheles, bei dem mit dem Speichel der Mücke Sporozoiten in die menschliche Blutbahn gelangen.

Symptome

Die Malaria beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden:

  • plötzlich auftretendes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • manchmal auch Diarrhö

Die Intensität der Symptome hängt vom Grad der Immunität des Infizierten ab. Die Inkubationszeit liegt meist zwischen 7 und 30 Tagen, selten bis zu etwa 120 Tage.

Komplikationen

Lebensbedrohlich ist die Malaria tropica, insbesondere wenn die Diagnose nicht schnell genug gestellt wird und die Parasitenzahl rasch zunimmt. Die Folge sind

  • zerebrale Ausfälle
  • akutes Nierenversagen
  • ARDS, d. h. Acute Respiratory Distress Syndrome.

Prävention

Vor Reisen in Malaria-Endemiegebiete sollte eine reisemedizinische Beratung eingeholt werden, um über erforderliche Verhaltensweisen sowie prophylaktische Maßnahmen aufgeklärt zu werden. Eine Schutzimpfung gegen Malaria existiert nicht. Expositionsprophylaktische Maßnahmen beziehen sich auf

  • den Aufenthalt in Moskito-sicheren Räumen (Klimaanlage, Fliegengitter), die Anophelesmücken sind nachtaktiv ab Einbruch der Dämmerung.
  • das Schlafen unter Moskitonetzen, am besten imprägniert mit insektenabtötenden Substanzen,
  • das Tragen ggf. imprägnierter Kleidung (langärmlige Blusen und Hemden, lange Hosen, Socken) und die
  • Anwendung von Repellents (Vergrämungsmittel).

Hygienische Bedingungen

Da eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch nicht möglich ist, entsprechen sie den Regeln der Basishygiene.

Ausblick

Zunehmende Probleme bereiten Plasmodium-Stämme mit Resistenz gegen bestimmte Malaria-Medikamente. Resistenzen entstehen auch beim Insektizideinsatz, wie beim Versprühen von DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), das zu den Malaria-Kontroll-Programmen zählt. Die aufgrund einer zufälligen Genveränderung gegen Insektizide resistent gewordenen Moskitos vermehren sich geradezu explosiv, wenn es zu einem Insektizideinsatz kommt. Angesichts der kurzen Generationszeit von etwa zwei Wochen und der Tatsache, dass ein einziges Weibchen mehrere Hundert Eier legen kann, passen sich die Moskitovölker blitzschnell an. Somit ist auch hier die „Ausrottung“ der Infektion nicht in Sicht.

Masern

Komplett zurückdrängen will die WHO auch die Masern. Denn das hochkontagiöse Masern-Virus hat als natürliches Reservoir nur den Menschen. Durch Impfungen können Masern theoretisch eliminiert werden. In Amerika und Skandinavien gelten sie bereits als beseitigt. Doch weil sich nicht genug Menschen dagegen impfen, tritt sie andernorts nach wie vor manchmal auf – auch bei uns. Schaut man auf die heute in Deutschland betroffenen Altersgruppen, zeigt sich, dass aus der ursprünglich typischen Kinderkrankheit, die im Kleinkindalter „durchgemacht“ wurde, eine Erkrankung des Erwachsenen geworden ist. Sie tritt dann mit deutlich häufigeren Komplikationen auf.

Übertragung

Die Übertragung des Erregers erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen, aber auch durch Kontakt mit Sekreten erkrankter Personen und aerogen (Tab. 5). Die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht im sogenannten Prodromalstadium (3 – 5 Tage vor Ausbruch des typischen Hautausschlages). Etwa 4 Tage nach Ausbruch des Hautausschlages endet die Ansteckungsfähigkeit. Die Inkubationszeit beträgt 10 – 11 Tage.

Symptome

Als erste Symptome treten Fieber, Erkältungsbeschwerden, Konjunktivitis sowie ein Enanthem im Mundbereich auf; das charakteristische makulopapulöse Exanthem am ganzen Körper bildet sich erst wenige Tage später.

Gerade Pflegende, welche sehr nahe und über einen längeren Zeitraum mit betroffenen Patienten arbeiten, müssen wissen, dass ihre Impfung keinen vollständigen Schutz darstellt. Auch geimpfte Klinikmitarbeiter müssen sich beim Kontakt mit Patienten durch das Tragen einer hochwertigen Atemschutzmaske FFP 2 schützen (Gohil 2016).

Meningitis

Als Meningitis wird eine Entzündung der weichen Häute des Gehirns und Rückenmarks bezeichnet. Sie gehört immer noch zu den schwersten akuten Infektionskrankheiten.

Meningitiden werden durch Bakterien und Viren (u. a. Masern-Virus, Varizella-Zoster-Virus, FSME), seltener durch Pilze und andere Pathogene hervorgerufen. Virale Meningitiden haben im Vergleich zu den bakteriellen Meningitiden fast immer einen leichteren Verlauf mit vollständiger Genesung.

Die häufigsten Erreger einer ambulant erworbenen, akuten bakteriellen Meningitis sind Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) und Neisseria meningitidis (Meningokokken). Meningokokken können vor allem bei Kindern, Jugendlichen und immungeschwächten Menschen eine bakterielle Meningitis verursachen.

An eine Meningokokken-Meningitis ist insbesondere nach Aufenthalten im Meningitis-Gürtel in Afrika zu denken. Besonders verbreitet ist die Meningitis in den Ländern der Sahelzone; so starben in Nigeria 2017 binnen fünf Monaten 328 Menschen und mehr als 2.500 infizierten sich. Sinnvolle Hygiene- und Präventionsmaßnahmen bei Verdacht und Erkrankung einer bakteriellen Meningitis sind in der Tabelle bei den Arbeitshilfen ausgeführt.

Pocken

Die Pockenerkrankung existierte mehr als 3.000 Jahre lang und Millionen starben daran. Und allgemein bekannte Bestände von Pocken-Viren lagern weiter in Laboren im russischen Nowosibirsk und in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Somit ist der befürchtete Einsatz der Erreger als biologische Waffen weiter möglich.

Seit den letzten Erkrankungen im Jahr 1977 gilt die Erde nach einer erfolgreichen Impfkampagne gemäß Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1979 als pockenfrei.

Unter Ausrottung versteht man in der Ökologie das Verschwinden von biologischen Arten durch direkten oder indirekten Einfluss des Menschen. (Direkter Einfluss besteht auch durch die Über­fischung, während indirekter Einfluss beispielsweise die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen sein kann, beispielsweise die Abholzung großer Areale von tropischem Regenwald).

Die Bezeichnung Ausrottung ist von der des Aussterbens der Arten zu unterscheiden, der den natürlichen Prozess des Verschwindens von Arten in der Evolution bezeichnet.

Polio

Polio könnte bald ausgerottet werden – die Infektionen gingen seit 1988 um 99 Prozent zurück. Nur die Länder Afghanistan, Nigeria, Pakistan, Somalia und Ukraine waren nie erregerfrei. In Deutschland erfolgte die letzte Ansteckung mit Polio 1990, in den Niederlanden 1992.

Ruhr

Die Erreger der Shigellose, auch Shigellenruhr genannt, sind weltweit verbreitete, gramnegative Bakterien der Gattung Shigella. In Deutschland treten vorwiegend Infektionen mit solchen Shigellen-Arten auf, die nur zu leichten Erkrankungen führen. Dagegen kommt in einigen warmen Ländern die Art Shigella dysenteriae Typ 1 vor, die schwere Krankheitsverläufe verursachen kann. Die Krankheit variiert zwischen leichten Verlaufsformen über starke Bauchkrämpfe bis hin zu schweren Erkrankungen mit Fieber, blutiger und eitriger Diarrhö.

Europäer infizieren sich häufig auf Reisen mit Shigellen, beispielsweise in Ägypten, Indien, Marokko, Tunesien oder in der Türkei. Im Jahr 2011 ging über die Hälfte der beim Robert Koch-Institut gemeldeten Shigellose-Fälle auf Infektionen im Ausland zurück. Die Übertragung der Bakterien erfolgt fäkal-oral von Mensch zu Mensch. In wärmeren Ländern ist die Ansteckung auch durch kontaminiertes Trinkwasser, Lebensmittel und sogar Badegewässer möglich. Zur Therapie werden Antibiotika eingesetzt.

Syphilis, Lues oder harter Schanker

Es existieren unterschiedliche Namen für diese Geschlechtskrankheit. Der Volksmund schildert sicher noch mehr. Vor allem in Großstädten steigt die Zahl der Infektionen stetig und zeigt sich in unterschiedlichen Stadien. Bei der Syphilis handelt es sich um eine Krankheit, welche praktisch ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. 93 Prozent der Neuerkrankten sind Männer (Berlin 2014), wobei vermutet wird, dass „es eine gewisse Kondommüdigkeit gibt“. Die Krankheit kann aber auch von der schwangeren Frau auf ihr Kind übertragen werden.

Krankheitsbild

Man unterscheidet vier Stadien der Erkrankung:

  • primäre Syphilis
  • sekundäre Syphilis
  • latente Syphilis
  • tertiäre Syphilis

Primäre Syphilis

Ca. 3 Wochen nach dem Geschlechtsverkehr (GV) mit einem infizierten Menschen kommt es zu einer sogenannten Primärläsion. Diese findet sich am Ort der Infektion und kann je nach GV-Art in der Vagina, am Penis, am Anus oder im Mund liegen. Es handelt sich dabei um ein Ulcus, also eine offene Stelle, die kaum schmerzhaft ist. Aus diesem Grunde kann die Läsion, je nach Lokalisation, unberücksichtigt bleiben.

Sekundäre Syphilis

Nach 3 – 8 Wochen verschwindet diese Läsion wieder. Einige Zeit danach (6 – 8 Wochen) kommt es dann, falls die Primärläsion nicht erkannt wurde, zu der sogenannten sekundären Syphilis. Diese zeigt sich häufig mit einem Hautausschlag, welcher auch Handflächen und Fußballen betrifft. Zusammen mit dem Hautausschlag entsteht ein allgemeines Krankheitsgefühl. Auch dieses Stadium heilt nach 3 – 8 Wochen wieder ab. Es entsteht die sog. Latenzperiode, die von einem Monat bis lebenslang dauern kann.

Latente Syphilis

Das latente Stadium der Syphilis folgt nach den Frühstadien. Hier zeigen sich bei der infizierten Person keinerlei Krankheitszeichen. Mit Bluttests kann man jedoch nachweisen, dass die Person einmal infiziert wurde und dass die Erreger im Körper noch aktiv sind. Das bedeutet, dass die Syphiliserreger noch nach Jahren plötzlich aktiver werden können und die tertiäre Syphilis beginnt.

Tertiäre Syphilis

Von der latenten Syphilis schreitet die Krankheit nur in einem Drittel der Fälle weiter zum Tertiärstadium, in welchem meist das Nervensystem, gelegentlich aber auch das Herz-Kreislauf-System befallen wird. Dies kann Jahre oder Jahrzehnte nach der Erstinfektion sein.

Diagnose

Sie erfolgt entweder mit dem Nachweis des Erregers in einer Läsion oder mittels Antikörpernachweis im Blut.

Therapie

Therapeutisch stehen Antibiotika, je nach Stadium und Erscheinungsbild, zur Verfügung.

Tetanus

Eine weitere, für Deutschland sehr ungewöhnliche Infektionskrankheit ist der Tetanus. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 10 – 15 Personen an Tetanus.

Nach dem RKI (2015) gilt sie als eine Infektion, die bei Asylsuchenden insbesondere Kleinkinder und Neugeborene angeht (Nabelschnurwunde, fehlender Impfschutz und auf der Flucht erwerbbar). Sie wird ausgelöst durch Clostridium tetani, das bei seiner Vermehrung im Gewebe ein hoch wirksames neurotropes Exotoxin, d. h. ein aus dem Bakterium austretendes und auf das Nervensystem wirkendes Gift, erzeugt. Das C. tetani wurde 1884 von Arthur Nicolaier (1862 – 1942) entdeckt.

Gefährdet sind insbesondere Menschen mit verschmutzten Wunden und solchen Wunden, in denen sich zerstörtes Gewebe befindet. Der Tetanus verläuft in 25 – 50 % der Fälle tödlich, meist tritt zuerst eine Spastik der Gesichtsmuskulatur mit Tonuserhöhung der Kaumuskulatur auf. Dadurch werden Sprechen und Schlucken erschwert (Dysphagie) und ein grinsender Gesichtsausdruck (Risus sardonicus) tritt auf. Der Mund kann aufgrund einer Kiefersperre nicht mehr geöffnet werden (Trismus). Später treten Krampfzustände der gesamten Muskulatur auf.

Diese von Mensch zu Mensch nicht übertragbare infektiöse Intoxikation benötigt das Einhalten aller Regeln der Basishygiene. Als Prävention zur Verhinderung des Tetanus ist die aktive Immunisierung mit Tetanustoxoid und bei Verletzungen neben der chirurgischen Wundtoilette die Gabe von Tetanus-Antitoxin erfolgversprechend.

Tuberkulose

Definition

Tuberkulose (Tb) gilt als generalisierte oder auf ein Organ begrenzte Infektionserkrankung, am häufigsten durch Mycobacterium tuberculosis ausgelöst. Unterschieden wird die pulmonale Tb von der extrapulmonalen Form, die andere Organsysteme (z. B. Niere, Knochen oder Lymphknoten) betrifft.

Es gibt zwei Formen der pulmonalen Tb:

  1. geschlossene Tb (kann nur klinisch oder histologisch gesichert werden)
  2. offene Tb (der Tuberkuloseherd hat direkten Anschluss an die Bronchien, sodass Mikroben durch Husten übertragen und direkt nachgewiesen werden können).

Die Tuberkulose verläuft in der Regel zunächst latent, weltweit ca. 2 Milliarden Menschen sind davon betroffen. Als latente Tb-Infektion wird ein Kontakt mit Tb-Mikroben mit Infektion bezeichnet. Geht z. B. bei Kleinkindern, bei immungeschwächten Personen (HIV-Infizierte), im Alter, die Immunkontrolle verloren, kann sie in eine aktive Tb führen.

Die Menschen erkranken – wenn überhaupt – erst Monate oder Jahre nach der Infektion. Jedes Jahr erkranken 10 Millionen Menschen neu an Tuberkulose. Das sind mehr als bei jeder anderen behandelbaren Infektionskrankheit. Nachdem die Tb-Fallzahlen in Deutschland mehrere Jahre stagnierten, stiegen sie in den vergangenen 3 Jahren wieder an: in 2016 auf 5.915 Fälle, nach 4.533 im Jahr 2014 und 4.325 im Jahr 2013 (RKI 2017).

Bedeutsam ist, dass Gentests der Erreger zeigen, dass sich viele Menschen erst auf der kräftezehrenden Flucht sowie in der Enge der Flüchtlingslager infizieren. Der Beweis kann mit dem genetischen Fingerabdruck geführt werden.

Fallbeispiel

Die junge Frau litt seit April 2008 unter Husten, ohne Besserung auch nach Monaten. Die Hausärztin tippte auf eine verschleppte Erkältung. Eigenständig suchte die Frau im August eine HNO-Ärztin auf, ohne Befund überwies sie diese an einen Lungenfacharzt. Nach Allergie- und Lungenfunktionstest ohne Befund schickte er die Frau im September 2008 zum Röntgen, ohne auffälligen Befund. Der Husten blieb und wurde schlimmer. Sie schwitzte nachts sehr und hatte tagsüber Fieber. Die wieder aufgesuchte Hausärztin riet zu einer Gastroskopie, inzwischen war es Juli 2009. Unter Säurehemmern litt die Frau weiter unter Hustenattacken, die Brechreiz auslösten. Öfter musste sie sich krankmelden, da sie ständig schwächer wurde. Nach einem Umzug (Juli 2009) suchte sie einen neuen Hausarzt auf, der sie ohne Untersuchung mit Kortison auf Asthma behandelte – sie bekam noch weniger Luft.

Der Husten eines Freundes wurde innerhalb 2 Wochen durch Röntgenbild mit „merkwürdigen Kringeln“ im oberen Lungenbereich differenziert. Als Kontaktperson musste sie sofort in die Tb-Klinik, wo sie insgesamt 115 Tage hospitalisiert, über 410 Tage mit 2.202 Tabletten behandelt wurde (RKI 2016).

Resistente Tuberkulose

Auch weltweit ist das Problem Tuberkulose nicht gelöst. Es nimmt die Zahl Erkrankter mit multiresistenten Tb-Erregern zu und bedroht die jahrzehntelangen Fortschritte im Kampf gegen diese Erkrankung.

Viele Tuberkulostatika sind dann wirkungslos. Bedrohlich ist die Ausbreitung von 2 Resistenztypen:

  • MDR-Tb (engl.: multi-drug-resistant tuberculosis) mit Resistenz gegen Isoniazid und Rifampizin
  • XDR-Tb (engl.: extensively drug-resistant tuberculosis) mit weiteren Resistenzen

Dabei ist die Sterberate erheblich erhöht. Ursache für diese Entwicklung sind z. B. globale Mobilität, Armut, Krieg, Flucht und Migration. Am häufigsten werden multiresistente Erreger bei Patienten gefunden, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geboren sind.

Verursacht ist dies durch fehlende Leitlinien zur Verordnung, optimalen Dosierung sowie einer präzisen Diagnostik für die gezielte individuelle Therapie. In Entwicklungsländern fehlen zudem Kontrollmaßnahmen, um die Verbreitung der Erreger einzudämmen. Eine wirksame Tb-Kontrolle ist nur in gut funktionierenden Gesundheitssystemen möglich (Dheda 2017). Somit sind es wieder Armutssymptome, die schon seit Jahrhunderten die Verbreitung von Tb fördern.

Sie gehört zu den Infektionen mit den meisten Todesfällen und 2015 traten 60 Prozent der Fälle in nur sechs Staaten auf: Indien, Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika. 2015 erkrankten nach den Schätzungen der WHO 10,4 Millionen Menschen weltweit an Tb und 1,8 Millionen sind daran gestorben.

Sorgen bereiten die knapp eine halbe Million Fälle von multiresistenter Tb (MDR-Tb) im Jahr 2015. Nur rund 20 Prozent der Betroffenen wurden gezielt dagegen behandelt und selbst bei einer angemessenen Therapie mit einem Arzneimittel-Cocktail über Jahre liegen die Chancen auf Heilung nach WHO-Angaben nur bei 52 Prozent. Jede zehnte multiresistente Tb ist extensiv multiresistent (XDR-Tb), das heißt, gegen die Erreger sind nicht nur die First-Line-Medikamente Isoniazid und Rifampicin unwirksam, sondern auch Fluorchinolone und die injizierbaren Second-Line-Medikamente, so die WHO. Bei XDR-TB liegen die Heilungs-Chancen aber nur noch bei 28 Prozent.

Hygienetipp bei beruflichem Tb−Infektionsrisiko

Infizierte Personen mit offener Tbc husten eine große Zahl von Mykobakterien ab. Sie schleudern große Tröpfchen (> 100 μm) in die Umgebung, deren Infektiösität gering ist. Zurück bleiben langsam verdunstende kleinste Tröpfchenkerne (Durchmesser < 5 μm) mit Infektionskeimen, die langsam sedimentieren. Sie überstehen das Austrocknen und schweben bis zu 24 h in der Luft. Ansteckung erfolgt durch aerogene Infektion als Folge der Inhalation der kleinsten Tröpfchenkerne bis in die Alveolen. Ein hohes berufliches Tb-Risiko besteht u. a. bei der Pflegealter Menschen.

Daher: Hygieneprinzip der Distanzierung beachten:

  • nicht anhusten lassen,
  • möglichst Abstand bei der Pflege,
  • bei offener Tb Atemschutzmaske der Schutzstufe FFP2 tragen.

Cave: Atemschutzmasken sind nur als Mitarbeiterschutz gedacht, sie sollen nicht angewendet werden durch den infektiösen Patienten bzw. bei der Betreuung infektionsgefährdeter Patienten!

Bei wirkungsvoller Therapie gelten Patienten nach 2 – 3 Wochen als nicht mehr infektiös. Die Medikamente müssen aber in wechselnden Kombinationen mind. über 6 Monate eingenommen werden, bei Therapie einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-Tb) über mind. 120 Wochen.

Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe sind bei den Arbeitshilfen ausgeführt.

Typhus abdominalis

Entsprechend UN-Daten wird das Wasser in Asien, Afrika und Südamerika immer schmutziger (UNEP 2016). Die gefährliche Kontamination des Wassers ist oftmals auf menschliche Fäkalien zurückzuführen, da es keine Kanalisation gibt. In den Reiseländern mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen treten wiederholt Epidemien auf und die Zahl der Erkrankten ist hoch. Bis zu 323 Millionen Menschen laufen dort Gefahr, wegen verunreinigten Wassers an lebensgefährlichen Krankheiten wie Cholera oder Typhus zu erkranken.

Davon sterben weltweit diesen Daten zufolge jährlich rund 3,4 Millionen Menschen an den Folgen von Krankheiten, die über verunreinigtes Wasser übertragen werden. Dazu gehören Cholera, Hepatitis A, Polio (Kinderlähmung), Kryptosporidiose (Durchfallerkrankung), Ascariasis (Spulwurmerkrankung) und Typhus abdominalis.

Übertragung

Typhuserreger sind das Bakterium Salmonella typhi, der dem Typhus vom Krankheitsbild ähnliche Paratyphus wird von den S.-paratyphi-Typen A, B und C verursacht. Gegenwärtig spielen Typhus-Bakterien in Deutschland und anderen europäischen Industriestaaten dank konsequenter hygienischer Maßnahmen kaum noch eine infektionsepidemiologische und gesundheitliche Rolle. Er kommt nur noch selten vor und gilt als typische fäkal-orale Kontakt-Infektion.

Symptome

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen. Bleibt die Infektion unbehandelt, leiden die Erkrankten innerhalb von zwei bis drei Tagen an hohem Fieber, das bis zu drei Wochen anhalten kann. Bei manchen führt die Infektion zunächst zu Verstopfung, später häufig zu Durchfällen.

Prävention und Therapie

Ohne medikamentöse Therapie kann die Krankheit mit Komplikationen zum Tode führen. Typhus wird mit Antibiotika behandelt.

Reiseimport

Die meisten der dem RKI gemeldeten Fälle wurden während einer Reise erworben, beispielsweise in Indien, Pakistan oder der Türkei. Erkrankte scheiden die Erreger über den Stuhl und den Urin aus, sodass Typhus häufig über kontaminiertes Trinkwasser übertragen wird.

Auch rohe oder nicht ausreichend erhitzte Speisen wie Salate, Meeresfrüchte, ungeschältes Obst oder ­Säfte können Typhuserreger enthalten. Vorbeugend vor Reisen in gefährdete Länder stehen oral oder parenteral zu applizierende Impfstoffe zur Verfügung.

„Reisediarrhö“ = Gefahr in Deutschland

Eine große Zahl von Fernreisenden, z. B. in die Entwicklungsländer Lateinamerikas, Asiens, Ozeaniens, Afrikas und des Mittleren Ostens, leiden an „Reisediarrhö“. Eine „Reisediarrhö“ entsteht nicht durch Wechsel der Lebensumstände, Jet-lag, „Reisefieber“, Klimawechsel, Staub oder fremde Zusatzstoffe zur Nahrung. Sie ist die häufigste Gesundheitsstörung während und nach Fernreisen. Meist handelt es sich um nach einigen Tagen spontan abklingende, in den ersten Tagen der Reise auftretende Erkrankungen mit Abgang von drei oder mehr ungeformten Stühlen in 24 h. Hauptsächliche Infektionsquellen sind kontaminierte Nahrungsmittel und Wasser. Als die Hauptverursacher gelten: Enterotoxigene E. coli, Campylobacter jejuni, Shigellen, Enteritis-salmonellen, seltener sind Viren wie Rotaviren und Noroviren.

Infektiöse Durchfallserkrankungen, die während des Urlaubs auftreten, sind nach der Rückkehr zum Arbeitsplatz mit Lebensmittelkontakt eine Gefahr (Sitzmann 2012). Vor diesen pathogenen „Reisemitbringsel“ sind die abwehrgeschwächten Patienten durch adäquate Hygiene zu schützen.

Gemäß § 42 IfSG dürfen Personen, die an Typhus oder Paratyphus erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen bestimmter Lebensmittel nicht tätig sein, wenn sie mit den Lebensmitteln in Berührung kommen.

Kurz gefasst: Da der Präventions-Slogan „Boil it, cook it, peel it, or forget it“ von Fernreisenden zu häufig  missachtet wird, bleibt die Reisediarrhö ein ständiger Reisebegleiter. Eine Weiterverbreitung auf die Patienten am Arbeitsplatz Krankenhaus muss verhindert werden. Es gilt deshalb in besonderer Weise die alte Regel erfahrener Tropenreisender: „Schäle es, koche es oder vergiss es!“

Literatur

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AWMF 2016. Empfehlung des Arbeitskreises Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF. Hygieneanforderungen bei ausgewählten respiratorisch übertragbaren Infektions-Erkrankungen (aerogen und Tröpfchen)1 AWMF-Register Nr. 029/032, S1-Leitlinie (Stand 31.1.2016); Im Internet: http://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/029_AWMF-AK_Krankenhaus-_und_Praxishygiene/HTML-Dateien/029-032l_S1_Hygiene_respiratorisch-uebertragbare_Infektionserkrankungen_2016-01.html (letzter Zugriff 1.4.2017)

Berlin 2014. Das offizielle Hauptstadtportal: Syphilis: Symptome und Therapie der Geschlechtskrankheit. Im Internet: https://www.berlin.de/special/liebe-und-partnerschaft/3288226-3622272-syphilis-symptome-und-therapie-der-gesch.html (letzter Zugriff 27.3.2017)

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Burchard G. Importierte Erkrankungen. Dtsch Med Wochenschr 2015; 140: 797 – 804

Dheda K et al. The epidemiology, pathogenesis, transmission, diagnosis, and management of multidrug-resistant, extensively drug-resistant, and incurable tuberculosis. The Lancet Respiratory Medicine, 2017 (5), 4: 291 – 360

Fingerle V et al. Zur aktuellen Situation des Läuserückfallfiebers. Hyg Med 2016; 41 (11) D 174 – D 178

Gohil SK et al. Healthcare Workers and Post-Elimination Era Measles: Lessons on Acquisition and Exposure Prevention. Clin Infect Dis. 2016 15; 62 (2):166 – 172; DOI: 10.1093/cid/civ802. Epub 2015 Sep 9

Hartmann K. Interview mit Medizinexperten McCoy „Die Gates-Stiftung ist ein Mittel, um Macht auszuüben“. SPIEGEL-online 27.4.2014. Im Internet: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/interview-zur-gates-stiftung-mccoy-beklagt-machtmissbrauch-a-981842.html, letzter Zugriff 2.5.2017

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RKI 2015. Für medizinisches Personal: Akut behandlungsbedürftige, für Deutschland ungewöhnliche Infektionskrankheiten, die bei Asylsuchenden auftreten können, letzter Zugriff 2.5.2017; DOI: 10.17886/EpiBull-2015-007.2

RKI 2016. Welttuberkulosetag 2016: Gemeinsam gegen Tuberkulose. Epidemiologisches Bulletin Nr. 10/11/2016 v. 14.3.2016

RKI 2017. Dem Robert Koch-Institut übermittelte meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland. Februar 2017 (Stand: 15.3.2017); Im Internet: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/A/Asylsuchende/
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(letzter Zugriff 2.5.2017)

Sitzmann F. Hygiene Kompakt. Kurzlehrbuch für professionelle Krankenhaus- und Heimhygiene. Bern: Hans Huber; 2012

UNEP 2016. A Snapshot of the World’s Water Quality: Towards a global assessment. United Nations Environment Programme, Nairobi, Kenya. Im Internet: https://uneplive.unep.org/media/docs/assessments/unep_wwqa_report_web.pdf (letzter Zugriff 1.4.2017)

Zylka-Menhorn V. Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Bemerkenswerte Fortschritte. Dtsch Arztebl 2017; 114(17): A-839 / B-711 / C-697

Der Autor

Franz Sitzmann
Fachkrankenpfleger für Krankenhaushygiene, Lehrer für Pflegeberufe, Autor zahlreicher Fachpublikationen. 14089 Berlin

www.klinik-hygiene.de

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